Der falsche Held der Arbeit
riskantes Schulterklopfen ruiniert die Betriebssicherheit
Warum Unternehmen aufhören müssen, Mitarbeiter zu loben, die „mal eben schnell“ ohne Schutzausrüstung einspringen.
In vielen mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben gibt es sie: die Mitarbeiter, die immer zur Stelle sind, wenn es brennt. Sie sind extrem engagiert, hochgradig pragmatisch und fackeln nicht lange. Wenn eine Maschine blockiert oder ein Liefertermin droht, springen sie ein und lösen das Problem – oft „mal eben schnell“ zum Beispiel ohne die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA) anzulegen. Oder sie ignorieren gar den gesamten Lockout-Tagout-Prozess der Anlage.
Das Fatale daran: Häufig ernten sie dafür Anerkennung von Kollegen und sogar Lob von Führungskräften. Doch dieses vermeintliche Heldentum ist eines der größten Risiken für die gesamte Arbeitssicherheit im Betrieb.
Wer den Regelbruch für den schnellen Erfolg applaudiert, legt den Grundstein für den nächsten schweren Arbeitsunfall.
Die Psychologie des falschen Vorbilds
Wenn ein Mitarbeiter ohne Schutzbrille oder Sicherheitsschuhe eine kritische Situation rettet und dafür gelobt wird, sendet die Führungsebene eine verheerende Botschaft an die gesamte Belegschaft: „Mitarbeiter des Monats wird, wer das Risiko sucht, um Zeit zu sparen. Regeln sind nur für den Normalbetrieb da.“
Dieses informelle Belohnungssystem untergräbt jede noch so gut durchdachte Sicherheitsunterweisung. Die Konsequenzen für die Betriebskultur sind fatal:
Safety Culture bedeutet: Echte Helden tragen PSA!
Sicherheit neu denken bedeutet, den Begriff des „Helden“ im Betrieb völlig neu zu definieren. Ein echter Profi zeichnet sich im Jahr 2026 nicht dadurch aus, dass er Kopf und Kragen für den Produktionsfluss riskiert. Ein echter Profi beherrscht seine Arbeit so gut, dass er das Problem löst, während er sich und andere schützt.
Führungskräfte und Meister stehen hier in der absoluten Pflicht. Wenn ein Mitarbeiter die Kohlen ohne PSA aus dem Feuer holt, darf die Reaktion niemals lauten: „Danke, gut gegangen.“ Die Reaktion muss ein klares, sachliches Stopp-Signal sein. Das Problem zu lösen war richtig – der Weg dorthin war falsch und inakzeptabel.
Fazit: Loben Sie das richtige Verhalten
Eine starke Safety Culture wächst durch das, was Führungskräfte im Alltag vorleben und belohnen. Tolerieren Sie keine Ausnahmen für den schnellen Erfolg. Wenn der Termindruck so hoch ist, dass Sicherheit zur Hürde wird, liegt das Problem im Prozess, nicht am Mitarbeiter.
Nutzen Sie Ihre nächste Unterweisung, um unmissverständlich klarzumachen: Uns ist es wichtiger, dass jeder Mitarbeiter abends gesund nach Hause zu seiner Familie zurückkehrt, als dass eine Deadline um jeden Preis gehalten wird.
Beenden Sie das falsche Heldentum in Ihrem Betrieb.
Gibt es auch in Ihrem Unternehmen informelle Regeln, die wichtiger zu sein scheinen als der Arbeitsschutz? Lassen Sie uns gemeinsam analysieren, wie wir die Safety Culture in Ihrem Betrieb so stärken, dass sicheres Verhalten belohnt wird und riskante Abkürzungen der Vergangenheit angehören.